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Barber John

31/10/2010

Am Samstag war ich in Downtown Portsmouth. Das Parkhaus lässt auf ein kleines Städtchen deuten. Leider wird man aber enttäuscht, sobald man das Städtlein sucht. Es ist schlicht und einfach nicht vorhanden.
Ich hab‘ aber immerhin einen Coiffeur gefunden.
John ist um die 60, vielleicht auch älter. Aufgewachsen im Haus, wo er den Barbershop vor gefühlten 100 Jahren von seinem Vater übernommen hat.
Er kennt sie alle. Ob Postbote oder Polizist. Nachbarin oder Bekannte. Er winkt ihnen von seinem Salon aus freundlich zu, während sie ihm lächelnd zurückwinken. John scheint beliebt zu sein in der Stadt.
Er findet es ein wenig schade, dass keiner seiner 5 Kinder den Salon übernehmen will, sodass er ihn bald verkaufen wird. John hat keinen Computer. „Ich brauche keinen Computer. Meine Frau weiss alles“, meint er schmunzelnd. Er war in seinem Leben weder in Europa, noch auf dem Mt. Washington. Dafür aber schon einmal in Florida und auf Hawaii. Weil seine Frau nicht gerne fliegt, wird das mit Europa wohl nichts mehr werden in diesem Leben…
Nach einer Weile kommen wir auf die Politik zu sprechen. (Irgendwie passiert mir das immer…) Er findet den Obama einen „Schnurri“, der viel versprechen und nichts davon einhalten tut. Überhaupt mag er den „ersten Schwarzen Präsidenten“ nicht, genausowenig wie diese Islamisten. Weil er Republikaner ist, hätte er seinen Namensvetter, den Herrn McCaine viel lieber an der Spitze Amerikas gesehen, als den Schnurri.
„McCaine ist jetzt aber zu alt, um nochmals zu kandidieren“, findet er. Erst jetzt fallen mir die zwei Fotos an der Wand auf. Der linke zeigt George W. Bush Senior, der rechte (glaube ich) Ronald Reagan. Ich verhalte mich neutral. Mir ist es auch ehrlich gesagt schnuppe, wer da regiert. Und sowieso war er gerade mit der superscharfen Klinge an meinem Nacken beschäftigt, die Haare zu rasieren. Also besser das Maul halten, hab ich gedacht.
Inzwischen kommt ein hinkender Typ mit goatee (das ist so’n Ziegenbart, der hier irgendwie noch immer ziemlich beliebt zu sein scheint) rein. John ist fertig mit meiner Frisur, ich bezahle die $12.- und runde höflich auf $15.- auf, während sich goatee hinsetzt und seinen Bart weghaben will. Ich knipse noch schnell ein Foto zur Erinnerung, bevor ich mich auf den Weg zur Küste mache.

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