Penner sind Langschläfer
Wenn ich nicht mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, geh ich einfach zu Fuss. Über die Waterloo Bridge, quer durch Covent Garden Richtung Camden.
Genau da schlafen sie morgens nach 9 noch immer. In Covent Garden. Zwischen den Gassen, vor Theatereingängen, oder einfach irgendwo neben einem inzwischen gefrorenen Haufen Kotze.
Die Hände blau angelaufen vor Kälte. Den Schlafsack tief über den Kopf gezogen, liegen sie noch regungslos da, bevor sie sich wenig später in eine sitzende Position aufrichten und ihr Becherchen aufstellen. Ja, man stumpft halt irgendwie ab mit der Zeit.
In diesem Sinne werde ich nächste Woche wieder zur Arbeit gehen und aufpassen, dass ich nicht über ein quer über den Bürgersteig liegendes Bein stolpere.
Alton
Olten? Bitte?
Jeden Morgen fahr ich mit dem Zug Richtung Olten. So spricht es der Mann am Mikrofon jedenfalls aus. Fühle mich jedesmal ein bisschen näher zur Schweiz und das nicht nur, weil der Zug südwärts fährt.
Heimweh?
Ach nein. Heimat ist doch da, wo das Herz ist.
Wo meins ist?
Ach…
In einer Woche fange ich den neuen Job an. Dann kann ich entweder meinen Töff wieder bewegen, oder aber (eher wahrscheinlich), wieder ein Fahrrad (mit einem grösseren Schloss) zulegen und zu radeln. Das Büro ist ca. 2 Meilen (3.2km) entfernt. Da könnte ich auch zu Fuss gehen (weniger wahrscheinlich). U-Bahn lohnt sich jedenfalls auch nicht da es nur drei Stopps sind und ich mindestens 10min einberechnen muss für ein- aussteigen und auf den Zug warten. Mal sehen…
Back in the High(er) life again
Nachdem ich doch erst mitte Oktober meinen neuen Job angefangen habe, ist dieser auch schon wieder Geschichte. Jobwechsel ist sozusagen mein liebstes Hobby geworden. Ich liebe Telefoninterviews und noch mehr freut es mich, bei Firmen mich vorzustellen und denen sagen, was für ein toller Typ ich doch eigentlich bin.
Nein, mir wurde nicht gekündigt. Ich habe halt einfach wieder was anderes/besseres gefunden. Diesmal werde ich aber wirklich in der Stadt arbeiten und der Lohn ist auch besser. Zwei wesentliche Dinge für mich. Ok, verdienen tu’ ich noch immer nicht annähernd der Hälfte, was ich in der Schweiz kriegen würde, aber halt eben mehr als bis jetzt und das ist schonmal ein Fortschritt.
Na dann auf die nächsten paar Monate… ![]()
Und weils so schön war, gibt’s den tune nochmal
I’ve been thinking about…
Neulich ist mir aufgefallen, dass ich anfange englisch zu denken. Nein, nicht, dass ich Im Winter im T-shirt rumrennen möchte oder warmes Bier trinken. Nein, ich denke öfters in englisch. Also habe ich mir weiterhin so Gedanken gemacht (auf schweizerdeutsch versteht sich), wie es mit anderen Sachen aussieht.
Träumen? Nicht vorhanden (wenn, dann oft englisch)
Zählen? Mal so, mal so
Rechnen? schweizerdeutsch
Fluchen? 99% schweizerdeutsch
Sprechen? Mehrheitlich Englisch und wenn’s Hochdeutsch sein soll, komm ich oft ins Rudern, weil mir die Wörter irgendwie auf englisch oft schneller einfallen.
Was ich daraus schliesse? Naja, mehr als zwei Sprachen liegen wohl nicht drin…
Gustav Gans
vieles erreicht, weil vieles gegeben
doch letztenendes hab ich bloss Glück, ich liebe das Leben
So ähnlich würde wohl ein Aussenstehender mein vergangenes Jahr in einem Satz beschreiben. Aber ganz so einfach war es bei weitem nicht. Ich bin ausgewandert um ein neues Leben zu beginnen. Ich hab ein neues Leben begonnen. Mit vielen Höhen und noch mehr Tiefen.
Ich bin drei Mal umgezogen, habe dreimal den Job gewechselt, weil ich dachte, es würde besser werden.
Ich wohne nun im Zentrum von London, in Gehdistanz zu London Eye und Trafalgar Square. Ich habe einen Job, mit dem ich zwar nicht reich werden, aber mindestens die Rechnungen bezahlen kann. Ich habe gute Freunde auf die ich zählen kann. Doch es fehlt noch immer etwas.
Vielleicht ist es, weil die Schmetterlinge verflogen sind. Das Kribbeln des Unbekannten ist vorüber. Ich bin hart auf dem Boden des Alltags gelandet. Party und Bullshit sind vorbei. Ich muss mein Essen wieder selber kochen und sitze Abends alleine zu Hause. Die Jahresenddepression hat mich erwischt. Doch ich will hier nicht rumjammern. Ich habe auch schöne Seiten erlebt.
Waren es die langen Abende in und vor den Pubs, Bars und Bushaltestellen. Gemeinsames Kochen und Essen mit Freunden, oder aber nur ein Buch lesen in der Sommersonne des Hyde Parks. Der Trip nach Amerika war wohl der Höhepunkt des Jahres schlechthin. Er hat er mir gezeigt, wie gross die Welt eigentlich ist und was für Möglichkeiten es gibt. Er hat mir die Augen geöffnet und mir einen Arschtritt gegeben.
Was das nächste Jahr bringt liegt noch in weiter Ferne. Ich habe wieder viele Pläne, die ich, so wie ich mich kenne garantiert wieder anders verlaufen werden. Aber genau diese Ungewissheit spornt mich auch an. Genauso steht in den Sternen ob es ein marcolondon pt.2 geben wird. Ich bin wieder an einem Scheideweg angelangt, wie vor genau einem Jahr. Damals habe ich einen Weg eingeschlagen, der mich zwar wieder an die gleiche Stelle bringt, aber bereuen tu’ ich noch immer keine einzelne Sekunde. Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt, die ich, wenn ich in der Schweiz geblieben wäre, nie hätte erfahren können.
In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen die ich und die mich in diesem Jahr kennengelernt und unterstützt haben. Natürlich bedanke ich mich auch bei London, der Stadt, die mich auch ohne Kribbeln noch immer aufs neue Überrascht.
2011 ich komme, ein Jahr älter und ein Jahr reifer aber noch immer der selbe naive Typ mit demselben naiven Traum und Ziel vor Augen.
was lange währt
Danke Amerika
Ich musste weit gehen, stundenlange Fahrten auf mich nehmen.
Aber ich habe sie schlussendlich gefunden. Ganz Zufällig.
Ich wollte schon beinahe aufgeben und hab eigentlich schon lange nicht mehr daran geglaubt. Ok, ich bin nicht wirklich auf der Suche nach ihnen gewesen. Vor allem was ich in den ersten Wochen so erlebt habe…
Von wem ich spreche? Natürlich von den „normalen“ Amerikaner. Die, die nicht oberflächlich sind. Die, die dir zuhören und auf dich eingehen. Die, die sich über deinen Akzent lustig machen, dich aber bei Fehlern verbessern und dir helfen nicht allzu Deutsch zu klingen. Die, die sich an das, was du einmal gesagt hast erinnern. Die, die’s wirklich interessiert, wie’s dir geht und nicht mehr als einfach im Vorbeigehen ein „howya doin’“ rauslassen.
Danke Amerika, du hast mir gezeigt, dass es sie gibt und ich genau wegen diesen Menschen dich hoffentlich bald wieder besuchen kommen werde.
Better, Faster, Stronger
Es ist ihnen wohl nicht aufgefallen, aber die Toilettenschüsseln sind wirklich grösser als in Europa. Echt massive Dinger das. Ich will niemanden zu nahe treten, aber ich glaube die würden einem Baby-Elefanten standhalten. Dass die Türen und die Sitze in den Zügen breiter sind, könnte vielleicht auch auf das unterschiedliche Längenmass zurückzuführen sein. Ich habs nicht nachgemessen, aber die Sitze im Zug sind ca. 1.5 mal so breit wie im Flugzeug.
Die Amerikaner haben nicht nur ein anderes Längenmass, nein ihre Sprache ist auch anders. Amerikanisch halt. Ich arbeite im IT-Support. Und da „clickt“ man nicht auf ein „icon“, nein, man schlägt es „hit“. Ebenso werden Programme nicht geöffnet, sondern angefeuert „fire up“. Ich könnte noch unzählige weitere solcher kleinen Unterschiede aufzählen, wenn mir nur welche einfallen würden. Aber es ist halt irgendwie witzig. Die Engländer sind diesbezüglich hat einfach vornehmer und sagen höflich „I understand“ und nicht „gotcha“.
Ich bin jetzt in New York.
Die Offroad Initiative
hätte hier kaum eine Chance. Al Gore hat den Amerikaner bezüglich Klimaerwärmung wohl mächtig ins Gewissen geredet, dass sie sehr grossen Wert auf Recycling legen. Sogar der Plastik wird fein säuberlich und gewissenhaft in verschiedenen Stufen sortiert und wehe dem, der eine Pet-Flasche im normalen Abfall entsorgt.
Die Strassen sind schön sauber wie man es von der Schweiz her kennt. Mal abgesehen von dem Idioten der neulich genau vor mir auf der Autobahn sein Redbulldösli zum Fenster rauswarf und mein Auto damit getroffen hat, halten sich ansonsten die Meisten daran.
Trotz alledem sind Pickup’s noch immer gross in Mode. Überhaupt ist bezüglich der Autos der Al auf wenig Gehör gestossen. Es gibt aber immerhin extra Parkplätze für Van -und solche für „normale“ Fahrgemeinschaften. Wer alleine mit dem Auto zur Arbeit fährt, muss weiter weg parkieren. Dreckschleuder hin oder her, ich habe meine eigene These, warum Pickups beliebt sind:
Wer hier nähmlich einen Hirsch oder Elch umfährt, darf ihn behalten bzw. mit nach Hause nehmen. Man muss es lediglich der Polizei melden. Dann darf man ihn aufladen und essen, oder an die Wand hängen. Ganz schön praktisch, wenn man mit einem grossen Auto unterwegs ist. Zudem würde, wer mit einem normalen Auto einen Elch umfährt, diesen wohl direkt auf den Schoss bekommen und wahrscheinlich von ihm erdrückt werden. Also bietet ein Pickup nicht nur den praktischen Stauraum, sondern man überlebt wohl den Zusammenstoss, weil man doch fast auf Augenhöhe mit dem Tier ist. Irgendwie praktisch, wie ich finde.
On The Road
Am Samstag war ich um ca. 11Uhr aufgebrochen zum Mt. Washington, dem höchsten Berg in Nordosten Amerikas. Nach einer 3-stündigen Fahrt dann die Ernüchterung. Die Strasse zum Berg ist gesperrt wegen „winterlichen Verhältnissen“. Nett! Die hätten auch was sagen können. Ich meine es gab genügend Schilder auf dem Weg dorthin. Ich war nämlich nicht der einzige, dem dies sauer aufgestossen ist.
Es hätte allerdings eine Alternative gegeben. Für 24$ innem 4×4 Taxi bis in die Mitte fahren. Wie geil! Was will ich mitten in einem Berg? Ausserdem ist der nur knapp über 1900m hoch. Das ist etwa gleich spannend, wie auf den Üetliberg zu fahren.
Also wieder 3h zurück nach Portsmouth, bzw. Kittery, da ist ein Outlet-Mekka, wo ich meinem Frust freien lauf gelassen habe. Amerika ist ein Shoppingparadies!
Ob ich alleine unterwegs gewesen bin? Nein, natürlich nicht. Mit dabei waren auch: Baze, Biggie Smalls, David Bowie, Damien Rice, Lifehouse, Alanis Morissette, Clueso uvm. Hab echt versucht Radio zu hören, aber nach 5min Countrymusik hielt ich es nicht mehr aus.
Fasnacht
mag ich nicht. Nicht besser sieht’s mit Halloween aus. Wenigstens lassen die einen in Ruhe, wenn man sich nicht dafür begeistern kann. Solange man den Kindern Süssigkeiten gibt, macht man bereits mit und wird von der Gesellschaft akzeptiert. Und ich hab den Bonus, dass ich sage: „Dieses crazy Zeugs haben wir in der Schweiz nicht…“. Jedenfalls nicht im Büro.
Zum Glück ist es zumindest im Büro vorbei. Unglaublich, jede Abteilung hatte ein Thema und die Leute haben sich verkleidet. Unser Thema war, unschwer zu erkennen, „Peter Pan“. Ich dachte zuerst auch, es sei „Piraten“… Naja, dann eben fliegende Burschen und so’n Quatsch.
Das offizielle Halloween wird am 31. Oktober über die Bühne gehen. Das werde ich hoffentlich auch noch überstehen. Übrigens, die auf dem Gruppenfoto ganz rechts als grüne Fee (hihi), Elfe oder was auch immer gekleidete, ist die Abteilungsleiterin…
Hamburger zum Zmorge
frittierte Pizza zum Mittag und zum Abendessen schnell bei Subway vorbei. Amerika is(s)t ungesund. Wie will man es ihnen verübeln, wenn die nun mal missbildete Geschmacksrezeptoren haben? Oder wie soll ich es denn verstehen, wenn mir die Frau aus der Hotelküche erzählt, dass es die allerbesten Pommes bei McDonald’s gäbe? Immerhin hab ich wiedermal ein neues Wort gelernt. „Hash Browns“ bedeutet „Rösti“. Jedenfalls beschreiben sie es gleich.
Bald ist die erste Woche vorüber und es folgen „nur“ noch 4. Ich freue mich aufs Wochenende. In diesem Kaff kann man ausser zur Mall gehen, nicht viel machen. Werde mich an den zwei freien Tagen mal Richtung „Downtown“ und Meer bewegen. Ich habe keine Bedenken, dass ich es nicht finde. Die Rückkehr bereitet mir mehr Sorgen. Hoffentlich erwische ich die richtige Ausfahrt… Wird schon klappen.
Es steigen einem die Tränen in die Augen
wenn man sieht was hier so passiert und was hier so geschieht. Wenn ich in die Mall gehe und mir die Preise verinnerliche, kommen andere Gefühle obsi. Nike Air Max One für $85.-, Abercombie und wie sie alle heissen für einen Bruchteil dessen, was man in Zürich oder London zahlen würde. Scheinbar nicht genug, haben mir die Kollegen von der Arbeit erzählt, dass es unweit von hier einen Outlet gibt, wo das ganze Zeugs noch billiger ist. Schön für die, die nicht das halbe Jahr arbeitslos waren und die letzten Reste zusammenkratzen müssen um ein Wochenende in New York zu verbringen. Das Leben ist nicht fair!




